K40
Marcel Breuer

K40
Vom Biegen, Schweben und Vereinfachen

K40, das ist die Quadratur des Kreises. Und zwar ganz wörtlich. Die runde Kristallglasplatte ruht auf einem gebogenen Stahlrohr, das wiederum eine quadratische Fassung horizontal aussteift. Einfacher lässt sich ein Tisch nicht mehr konstruieren – und kaum überzeugender. Die abgerundeten Ecken der horizontalen Träger tauchen als feine Stahlschlaufen der Kufen wieder auf.

Der K40 ist gewissermaßen die Inkarnation einer Versuchsanordnung: Wie viel Masse braucht es eigentlich, um einen Tisch zu formen – oder vielmehr: Wie viel Leichtigkeit steckt in einer solchen Aufgabe?

Entworfen hat Breuer den markanten Tisch 1927/28 für den Berliner Theaterregisseur Erwin Piscator, und zwar für dessen Privatwohnung. Nicht nur auf der Bühne hatte sich der Intendant also einer radikalen Moderne verschrieben, mit Autoren wie Bertolt Brecht, Egon Erwin Kisch, Heinrich Mann und Erich Mühsam sowie Bühnenbildnern wie Georg Grosz, John Heartfield und László Moholy-Nagy.

Auch privat ging Piscator neue Wege, weg von den schweren Möbeln der Vergangenheit, hin zu einer leichten, luftigen Atmosphäre. Der Couchtisch K40 fügte sich perfekt in dieses Programm. Und auch hier fällt eine Verbindung des Tisches auf: Die Entmaterialisierung, die Paul Klee in seiner Zeichnung “Ideal Manage Lily” zeigte und die die Reduktion des Bauhauses schon vorwegnahm, konkretisiert sich in diesem wegweisenden Möbel, von dem Architekt Peter Smithson sagte, dass es eine Ent-Materialisierung bedeute, damit der Raum leichter werde. Die Visionen und Ziele der Bauhäusler vom Biegen, Schweben und Vereinfachen zitiert der K40 bis heute – die Trias der Stahlrohr-Moderne.

Produktinfo

Perfektion von Konstruktion und Detail. Natürlich verbinden wir den Bauhaus-Meister Marcel Breuer zuvorderst mit einem Werkstoff: Stahlrohr. Und einem Prinzip: dem Kragstuhl, der als Initialzündung modernen Möbelbaus diente. „Die Entfesselung des Menschen vom starren Sitz wich der Entfesselung auf den schwebenden Sitz. Der Kragstuhl wurde zum Zeitsymbol.“ Doch damit werden wir Marcel Lajos („Lajkó“) Breuer (1902-1981) nicht gerecht. Der Gestalter betrieb tatsächlich „Wesensforschung“: Was soll, was kann ein modernes Möbel heute leisten, war die Frage des Bauhauses. 1925 wurde Breuer als „Jungmeister“ Leiter der Möbelwerkstatt in Dessau. Schon im Jahr zuvor formulierte er, was er unter zeitgemäßer Einrichtung verstand.

Breuer ging es nicht ums Formale, auch wenn er höchsten Wert auf Details legte, ihm ging es um gedankliche Präzision. „Es gibt die Perfektion von Konstruktion und Detail, zusammen mit und im Gegensatz zur Einfachheit und Großzügigkeit in Form und Gebrauch“, schrieb er in einem Grundsatzessay.

Dass er dem Stahlrohr zum Durchbruch im Möbelbau verhalf, mag auch daran liegen, dass er als einer der ersten erkannte, dass unser Leben dynamischer geworden war und ebenso leichte wie bewegliche Lösungen verlangte. Der begeisterte Radsportfan nutzte zugleich das Modernste, was Architektur, Industrie und Gestaltung aufbringen konnten für einen neuen Zeitgeist. „Ich habe für diese Möbel Metall gewählt, um die Eigenschaften moderner Raumelemente zu erreichen“, erklärte Breuer. „Die schwere Polsterung eines bequemen Sessels ist durch die straff gespannte Stofffläche und einige leicht dimensionierte, federnde Rohrbügel ersetzt.“ Dazu gehörte auch, dass die Konstruktion nicht mehr versteckt wurde, sondern chromblitzender Teil der Erscheinung war.

Kragstühle wurden geschraubt, nicht geschweißt, Funktionen gestapelt und farblich gefasst. Das Ergebnis waren entmaterialisiertes Schweben und ein neuer Geist im Raum. Der Kragstuhl stellte eine Befreiung vom jahrtausendealten Thronmodell des steifen Sitzens dar. Er war das umgesetzte funktionelle, kinetische und konstruktive Gegenprinzip. Diese kinetische Linie, der Aufbruch der Moderne, ist heute bis zu den jungen Bauhaus-Gestaltern nachvollziehbar.