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Marcel Breuer

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Das bewegliche Manifest

Marcel Breuer war konsequent in allem, was er tat. Leichtbau und Fahrradsport hatten es dem Leiter der Bauhaus-Möbelwerkstatt ohnehin angetan. Also ging er einen Schritt weiter. Nachdem die Welt der schweren Möbel einmal ins Rutschen gekommen war, gab es kein Halten mehr. Um 1928 skizzierte Breuer die Idee, Fahrrad und Sitzmöbel zu einer Liege auf Rädern zu verbinden.

Welch wunderbar-verrückte Eingebung! Über ein halbes Jahrhundert blieb sie unausgeführt, bis Tecta 1984 die mobile Liege ins Programm nahm, als Außenraumfahrzeug, mit dem man in freier Luft auf geflochtenen Flächen gemächlich dem Licht folgen kann, das im Metallrahmen reflektiert wird. So entstand keine banale Liege auf Rädern, sondern eher ein bewegliches Manifest. Eine filigrane Skulptur, fast zu schön, um darauf Platz zu nehmen. Während der Futurismus martialische Worte nutzte, um der Geschwindigkeit zu huldigen – „ein Rennwagen, dessen Karosserie große Rohre schmücken, die Schlangen mit explosivem Atem gleichen …“, gewann Breuer der Bewegung fast schon meditative Züge ab. Und schuf ein Möbel, das den Gegensatz von Entspannung und Bewegung aufhob.
Wer die filigrane Liegefläche aus Naturrohrgeflecht sieht, das matte Gestell aus Edelstahl und die strapazierfähigen Bauhaus-Gurte, entdeckt eine bewegliche Skulptur für den Hausgebrauch, die perfekt in unsere Zeit passt.

Produktinfo
Maße

Natürlich verbinden wir den Bauhaus-Meister Marcel Breuer zuvorderst mit einem Werkstoff: Stahlrohr. Und einem Prinzip: dem Kragstuhl, der als Initialzündung modernen Möbelbaus diente. „Die Entfesselung des Menschen vom starren Sitz wich der Entfesselung auf den schwebenden Sitz. Der Kragstuhl wurde zum Zeitsymbol.“ Doch damit werden wir Marcel Lajos („Lajkó“) Breuer (1902-1981) nicht gerecht. Der Gestalter betrieb tatsächlich „Wesensforschung“: Was soll, was kann ein modernes Möbel heute leisten, war die Frage des Bauhauses. 1925 wurde Breuer als „Jungmeister“ Leiter der Möbelwerkstatt in Dessau. Schon im Jahr zuvor formulierte er, was er unter zeitgemäßer Einrichtung verstand.

Breuer ging es nicht ums Formale, auch wenn er höchsten Wert auf Details legte, ihm ging es um gedankliche Präzision. „Es gibt die Perfektion von Konstruktion und Detail, zusammen mit und im Gegensatz zur Einfachheit und Großzügigkeit in Form und Gebrauch“, schrieb er in einem Grundsatzessay.

Dass er dem Stahlrohr zum Durchbruch im Möbelbau verhalf, mag auch daran liegen, dass er als einer der ersten erkannte, dass unser Leben dynamischer geworden war und ebenso leichte wie bewegliche Lösungen verlangte. Der begeisterte Radsportfan nutzte zugleich das Modernste, was Architektur, Industrie und Gestaltung aufbringen konnten, für einen neuen Zeitgeist. „Ich habe für diese Möbel Metall gewählt, um die Eigenschaften moderner Raumelemente zu erreichen“, erklärte Breuer. „Die schwere Polsterung eines bequemen Sessels ist durch die straff gespannte Stofffläche und einige leicht dimensionierte, federnde Rohrbügel ersetzt.“ Dazu gehörte auch, dass die Konstruktion nicht mehr versteckt wurde, sondern chromblitzender Teil der Erscheinung war.

Kragstühle wurden geschraubt, nicht geschweißt, Funktionen gestapelt und farblich gefasst. Das Ergebnis waren entmaterialisiertes Schweben und ein neuer Geist im Raum. Der Kragstuhl stellte eine Befreiung vom jahrtausendealten Thronmodell des steifen Sitzens dar. Er war das umgesetzte funktionelle, kinetische und konstruktive Gegenprinzip. Diese kinetische Linie, der Aufbruch der Moderne, ist heute bis zu den jungen Bauhaus-Gestaltern nachvollziehbar.