S44
Marcel Breuer

S44
Ein Ort für die guten Dinge des Lebens

Was soll ein Regal anderes als Tragen? Bücher, Objekte, Erinnerungen. Genau dafür hat Marcel Breuer das S44 entwickelt. Die vier höhenverstellbaren Fachböden werden von einem Paar verchromter Stahlrohrstangen getragen, deren Füße breitbeinig nach außen schwingen. Einfach und klar.

Vor allem aber ist ihre Konstruktion sofort nachvollziehbar. Die Regalbretter lassen sich durch feststellbare Bodenträger in unterschiedliche Höhen bringen, optional gibt es einen zusätzlichen Fachboden in Esche oder Eiche furniert und decklackiert sowie verchromte Bücherstützen.

Was Marcel Breuer 1932 für das Haus Clarté in Genf entwickelte, ist eine Liebeserklärung an die Dinge des Lebens, die uns umgeben und hier ihren Ort finden. Das 140 Zentimeter breite und gerade 121 Zentimeter hohe Regal ist ideal für Bürolandschaften, die sich nicht durch schwere Raumteiler belasten wollen, sondern Licht und Luft als Gestaltungselemente souverän einbeziehen. Die einfache, durchdachte Erscheinung ist eine Konsequenz ebensolchen Denkens. „Die Gegenstände bekommen ihre verschiedenen Funktionen nach verschiedenen Erscheinungen“, schrieb Breuer. Zusammen ergäben sie unseren Stil. Genau das ist bei dem S44 zu erleben. Die Materialien und ihre Fügung sind präzise ablesbar, hier scheint kein Gramm zu viel oder an der falschen Stelle. So entstehen Klassiker, die heute Bestand haben und auch morgen noch begeistern.

Produktinfo
Maße

Natürlich verbinden wir den Bauhaus-Meister Marcel Breuer zuvorderst mit einem Werkstoff: Stahlrohr. Und einem Prinzip: dem Kragstuhl, der als Initialzündung modernen Möbelbaus diente. „Die Entfesselung des Menschen vom starren Sitz wich der Entfesselung auf den schwebenden Sitz. Der Kragstuhl wurde zum Zeitsymbol.“ Doch damit werden wir Marcel Lajos („Lajkó“) Breuer (1902-1981) nicht gerecht. Der Gestalter betrieb tatsächlich „Wesensforschung“: Was soll, was kann ein modernes Möbel heute leisten, war die Frage des Bauhauses. 1925 wurde Breuer als „Jungmeister“ Leiter der Möbelwerkstatt in Dessau. Schon im Jahr zuvor formulierte er, was er unter zeitgemäßer Einrichtung verstand.

Breuer ging es nicht ums Formale, auch wenn er höchsten Wert auf Details legte, ihm ging es um gedankliche Präzision. „Es gibt die Perfektion von Konstruktion und Detail, zusammen mit und im Gegensatz zur Einfachheit und Großzügigkeit in Form und Gebrauch“, schrieb er in einem Grundsatzessay.

Dass er dem Stahlrohr zum Durchbruch im Möbelbau verhalf, mag auch daran liegen, dass er als einer der ersten erkannte, dass unser Leben dynamischer geworden war und ebenso leichte wie bewegliche Lösungen verlangte. Der begeisterte Radsportfan nutzte zugleich das Modernste, was Architektur, Industrie und Gestaltung aufbringen konnten, für einen neuen Zeitgeist. „Ich habe für diese Möbel Metall gewählt, um die Eigenschaften moderner Raumelemente zu erreichen“, erklärte Breuer. „Die schwere Polsterung eines bequemen Sessels ist durch die straff gespannte Stofffläche und einige leicht dimensionierte, federnde Rohrbügel ersetzt.“ Dazu gehörte auch, dass die Konstruktion nicht mehr versteckt wurde, sondern chromblitzender Teil der Erscheinung war.

Kragstühle wurden geschraubt, nicht geschweißt, Funktionen gestapelt und farblich gefasst. Das Ergebnis waren entmaterialisiertes Schweben und ein neuer Geist im Raum. Der Kragstuhl stellte eine Befreiung vom jahrtausendealten Thronmodell des steifen Sitzens dar. Er war das umgesetzte funktionelle, kinetische und konstruktive Gegenprinzip. Diese kinetische Linie, der Aufbruch der Moderne, ist heute bis zu den jungen Bauhaus-Gestaltern nachvollziehbar.