Tecta X Open
Utopia is on the road

Dem Gedanken des britischen Architekten Peter Smithson nachgehend – Utopia is on the road – ist mit der Schweizer Fahrradschmiede OPEN eine Kollektion auf den Weg gebracht, die dem Bauhaus dicht auf den Reifen folgt.

Bauhaus: Fahr Rad! Das rollende Moment beschäftigte schon Marcel Breuer. »Mein plötzlicher Einfall, der mich beim Radfahren über das Material des Fahrradlenkers zur Konstruktion des Rohrmöbels führte – ganz unerwartet breitete er sich über die ganze Welt aus,« beschreibt der Gestalter 1937 über die bahnbrechende Eingebung, für die sein gebogener Fahrradlenker Pate stand: die Entwicklung des Stahlrohrmöbels. So wie viele andere Künstler der Weimarer Republik, fuhr auch Marcel Breuer Velo.

 

Georg Kaiser, einer der meistgespielten Dramatiker der 20er Jahre formulierte in seinem Essay »Anti Auto, Fahrrad« dass der Kraftfahrer gefahren wird, aber seine Muskulatur nun mal nichts erzeuge. Längst sei er selbst zu der Überzeugung gekommen, dass »der Menschheit das Fahrrad geschenkt ist als Äquivalent für alle Plagen der Technik,« und fährt fort: »der Automobilist hat sich die Erde verkleinert und des Abenteuers der Abwege beraubt. Für den, der auf dem Fahrrad fährt, gelten keine Vorschriften … er rehabilitiert die Schöpfung.«

»Unsere Architektur rollt, schwingt, fliegt«
Ein Visionär, besonders aus heutiger Sicht. Auch die Generation der Bauhäusler, mit denen Tecta maßgeblich zusammenarbeitete, experimentierten weiter an dem Thema: »Es kommt das Schweben und Schwingen,« formulierte El Lissitzky und auch Marcel Breuer ließ das Thema der Dynamik nicht los. 1928 verband er Fahrrad und Sitzmöbel zu einer Liege auf Rädern; um Entspannung und Bewegung in einem Möbel zu vereinen. Seine Idee blieb Skizze, bis Tecta die mobile Liege als Modell F 41E umsetzte und sie seit 1984 zwischen Sonne und Schatten pendeln lässt. Mobilität und Flexibilität kennzeichnen auch die weiteren Produkte aus der Manufaktur. Sie dürfen als Teil der Marken-DNA von Tecta verstanden werden. So auch der bewegliche Barwagen M4R, durch große Speichenräder charakterisiert; ebenso die rollenden Stühle und Sessel – alles ist in Bewegung, hat mit Dynamik, dem Schwingen und Schweben zu tun, wie es El Lissitzky beschrieb. Jetzt entstand mit dem Schweizer Fahrrad-Hersteller Open eine Kollektion, die mit Tecta und dem Bauhaus interagiert. »Ähnlich wie bei Möbeln geht es auch bei Rädern um Evolution. Mich ließ der Gedanke nicht los, dass es interessant sein könnte, Design, Bauhaus-Schule und Radsport zu kombinieren,« erzählt Christian Drescher von Tecta, »schließlich war es der Fahrradlenker, der Marcel Breuer 1925 dazu brachte, seine ersten Möbel aus gebogenem Stahlrohr zu fertigen«. In Andy Kessler, von der Fahrradschmiede Open aus der Schweiz, fand er den richtigen Verbündeten. »Ich bin Architektur und Möbelfan«, so Kessler, »das Bauhaus war für mich immer ein Begriff. Als Christian vor einem Jahr auf mich zukam, war ich sofort begeistert: ich liebe Möbel, er liebt Fahrräder und das wurde der Grundstein für eine gemeinsame Edition von Rädern.“« Zuerst lagen nur die Ideen auf dem Tisch. Heute stehen bei Tecta drei grundverschiedene Rennräder, deren Aufbau den drei Rahmen-Typen von Open folgt. Durch ihre spezielle Geometrie können diese sowohl mit dünneren Straßenlaufrädern, profilierten Gravel-, Cross- als auch extrem breiten Mountainbike-Laufrädern und den entsprechenden Antriebsgruppen ausgestattet werden. Sie vereinen Eigenschaften, die noch vor wenigen Jahren streng zwischen Renn-, Tourenrädern oder Mountainbikes differenzierten: Hoher Komfort und Performance, Tempo auf Asphalt als auch auf rauen Schotter- und Waldwegen. Dabei lebendiges Fahrgefühl und die Möglichkeit, Reisegepäck zu transportieren. Grafiker und Illustrator Dominik Kirgus vom Kölner Studio für Gestaltung entwickelte auf den Rahmen die neuen Sonderlackierungen für Tecta. Sie nehmen auf Entwürfe der Textilkünstlerin und Bauhaus-Lehrerin Anni Albers Bezug.

Anni Albers Farbcodes

»Fahrradrahmen sind keine plane Fläche, man muss um die Ecke denken,« so Dominik Kirgus. Die Herausforderung lag darin, um unterschiedlich geformte Rundrohre mit differierenden Radien zu gestalten. Die Entwürfe der Deutsch-Amerikanerin Anni Albers inspirierten ihn, ihr Vermögen, abstrakte Kunst nicht nur mit der traditionsreichen Kulturtechnik des Webens zu verzahnen, sondern sie zugleich mit dem Medium Farbe und der Farbenlehre zu verbinden. So ließ Kirgus konsequente Farbkompositionen entstehen, die die Räder als auch die Möbel neu charakterisieren. Ein Dialog zwischen Farbe, Form und Materialität, zwischen Farbbeziehungen und genau berechneten Quantitäten.

Anni Albers, Entwurf für eine Weberei, 1926

Lyonel Feininger, 1898 auf seinem Fahrrad
der Marke Cleveland

»Radrennen« von Lyonel Feininger, 1912

Der Fahrrad-Enthusiast

Ein weiterer Bauhauskünstler, der auf Fahrrad-Mobilität setzte, war Lyonel Feininger. Er radelte von Heringsdorf aus durch die Landschaft. Der Künstler war ein Fahrrad-Idealist, der moderne Hightech-Fahrräder der Marke Cleveland-Ohio fuhr. Es sollte regelmäßig das neueste Rennrad-Modell sein, da er damit rechnete, auf ihm jährlich rund 10.000 Kilometer zurückzulegen. Im Usedomer Achterland machte Feininger seine berühmten Naturskizzen, Landschaft und Farben einsaugend. Das Fahrrad wurde zu einem zentralen Element bei seinen Ausflügen in Thüringen und an der Ostseeküste.

Open WI.DE.

Open U.P.

Open MIN.D.

Bunt ist meine Lieblingsfarbe*

Traditionsbewusst und zugleich kompromisslos modern: die neuen Farb-Entwürfe der Tecta X OPEN Edition nach den Kompositionen der Bauhaus-Künstlerin Anni Albers.

Sie war eine wegweisende Künstlerin der abstrakten Moderne, schuf Textilien, die architektonische Qualitäten entfalteten, kombinierte Farben, die in einer großen Sammlung von Bildwebereien, Wandbehängen und architektonischen Stoffen mündeten: Anni Albers (1899–1994), Künstlerin, Bauhaus-Lehrerin, Neuerfinderin der Web-Praxis, führte die Textilkunst nach vorne. »Fäden wieder artikulieren zu lassen und für sich selbst eine Form zu finden, zu keinem anderen Zweck als der eigenen Orchestrierung, nicht zum Sitzen, Begehen, nur zum Anschauen.« so betrachtete Anni Albers, die übrigens mit dem Komponisten John Cage befreundet war, ihr Tun. Albers spielte mit den Fäden ihres Webstuhls, so wie Cage an seinem Klavier und im Orchester experimentierte.

Die Künstlerin pflegte eine enge Beziehung zu ihren Materialien, traditionsbewusst und kompromisslos modern nahmen ihre Textilgewebe eine Beziehung zu den architektonischen Merkmalen der Umgebung auf. Für die neue Kollektion Tecta X OPEN wurden sie wieder entdeckt.

»Die Bauhäusler arbeiteten sehr farbfreudig, dass wissen die wenigsten«, erzählt Tobias Groß vom Studio für Gestaltung aus Köln. Anni Albers Farbkompositionen weiter zu denken, auf Räder und Möbel zu übertragen, war für ihn und Gestalter Dominik Kirgus ein spannendes Moment. »Mit den Bauhaus-Möbeln betreten wir dazu ein interessantes Feld, ihre Formen sind ruhig, klassisch, reduziert und damit offen für neue Farbimpulse«, so Tobias Groß.

Vier Tecta-Möbelklassiker wählte Dominik Kirgus vom Studio für Gestaltung aus, um die Farbgebung, die er für die Rahmen der OPEN-Räder entwarf, auch auf Möbel anzuwenden. Strahlende Impulse wie die Kollektion in Blau/Gelb, die dem Klassiker F51 von Walter Gropius, dem B40 von Marcel Breuer oder dem D9 von Wolfgang Hartauer neue Impulse verpassen. Wird mit ihnen das Möbel zum Statement im Raum, gibt es auch die ruhigeren, harmonischen Türkistöne des F51, D40 oder B40, die sich eher anpassen. Ebenfalls für sich stehen die Bauhaus-Klassiker in Schwarz und aussagekräftigem Rosa. Nach Anni Albers Vorbild spielen auch hier die Farben mit der Architektur des Möbels – zum Beispiel dem F51, dessen geometrischer Holzrahmen in Rosa mit einem schwarzen Stoff von Kvadrat ein spannungsreiches Oberflächenspiel erzeugt.

So entstand die kleine, feine Edition als Hommage an Anni Albers. Traditionsbewusst und kompromisslos modern – so wie die Entwürfe der Weberin, die ihrer Zeit voraus waren und schon damals die ganze architektonische Bandbreite von Textilien spiegeln. Tecta macht damit zugleich deutlich, was die eigene Manufaktur auszeichnet: individuelle Ideen in kleinen Auflagen zu fertigen, die heute schon die Klassiker von morgen sind.

* Zitat von Walter Gropius

F51
Walter Gropius

D9
Wolgang Hartauer

B40
Marcel Breuer

B40,
Marcel Breuer

F51,
Walter Gropius

D40,
Marcel Breuer

B40,
Marcel Breuer

B40,
Marcel Breuer

F51,
Walter Gropius

Die Auslieferung der Räder, Hintergründe und erste Details
sind auf dem erfolgreichen Youtube-Kanal von Enjoyyourbike dokumentiert.

Rahmen:
OPEN cycle

Aufbau:
Enjoyyourbike

Lackierung:
Tony Spray

Gestaltung
Studio für Gestaltung