F42E
Ludwig Mies van der Rohe

F42E
Filigrane Schwebewerke

Mies van der Rohe meldete 1931 ein Patent für ein „multifunktionales Ruhemöbel“ an. Ergonomisch als auch elegant sollte es sein, freischwingend und hängend, sowohl für den Innen- als auch für den Außenbereich einsetzbar.

Bis heute kondensiert die Hängeliege F42E den Moment des Schwebens in einem Möbel, das wie ein Flügelschlag wirkt und in Räumen als Silhouette Funktionalität, Ästhetik und Zurückhaltung verbreitet, während ihr Pendant, die mit der gleichen Liegefläche ausgestattete verstellbare F42E1, mit ihrem Kraggestell das Schwingende des Kragstuhls zitiert.

Entworfen wurden die Liegen von Mies van der Rohe für ein Villen-Ensemble in Krefeld. Die heute als Museen bekannten Gebäude, Haus Lange und Haus Esters, die auf der Krefelder Wilhelmshofer Allee in direkter Nachbarschaft liegen, waren von den Gründern der Vereinigten Seidenwebereien Hermann Lange und Josef Esters in Auftrag gegeben worden und als private Wohnhäuser für ihre Familien gedacht.

1930 stellt sie Mies van der Rohe fertig und zeichnet für diese geradlinigen, fast japanisch anmutenden Gebäude die Liegen mit Federaufhängung und Kraggestell, die heute beide noch von Tecta hergestellt werden und das Oskar-Schlemmer-Signet für originalgetreu reeditierte Bauhaus-Möbel tragen.

Produktinfo

Der 1886 geborene Sohn einer katholischen Steinmetzfamilie aus Aachen, gilt bis heute als einer der wichtigsten Architekten der Moderne. Mit einem Federstrich gelang es ihm, Gebäude schweben zu lassen und oszillierende Möbel zu entwerfen. Der Mann, der den berühmten Barcelona-Pavillon oder die Villa Tugendhat in Brünn entwarf, erlaubte sich mittags gerne ein Nickerchen. Am liebsten lag Mies van der Rohe dabei in seinem Badezimmer. Das berichtete sein Zeitzeuge Sergius Ruegenberg, die rechte Hand von Ludwig Mies van der Rohe, des unerreichten Baumeisters.

„Baukunst ist die räumliche Auseinandersetzung des Menschen mit seiner Umwelt und der Ausdruck dafür, wie er sich darin behauptet und wie er sie zu meistern versteht,“ sagte Ludwig Mies van der Rohe. Für sein Verständnis von Architektur stehen bis heute wegweisende Gebäude und Möbel. „Die Mies‘sche Stadt ist im Mies‘schen Stuhl impliziert,“ bemerkte auch Peter Smithson.

1921 präsentiert Mies van der Rohe bei einem Hochhauswettbewerb an der Friedrichstraße in Berlin einen visionären, aber abgelehnten Entwurf, der eine fast vollständig verglaste Fassade zeigt und das erste Zeugnis für seine spätere „Haut-und-Knochen“-Architektur sein wird. 1924 tritt Ludwig Mies van der Rohe auf Einladung dem Deutschen Werkbund bei, als Vizepräsident leitet er später die Werkbundausstellung.

„Die Wohnung“ 1927 in Stuttgart, die die Weißenhofsfiedlung hervorbrachte. Eines seiner berühmten Bauwerke, das Haus Tugendhat im tschechischen Brünn, stellt er 1930 fertig, im gleichen Jahr die Häuser Lange und Esters, für die er auch die Liegen F42E und F42-1E entwirft. Nach der gemeinsamen Arbeit an der Sitzfläche des Weißenhofstuhls im Jahr 1926 arbeitet Ludwig Mies van der Rohe auch zwei Jahre später mit der Innenarchitektin Lilly Reich zusammen. Sie erhalten nach dem Erfolg der Stuttgarter Werkbundausstellung die künstlerische Leitung der deutschen Abteilung der Weltausstellung in Barcelona. Mies van der Rohe baut hier den berühmten Barcelona-Pavillon.

1930 wird Ludwig Mies van der Rohe zum Direktor des Bauhauses in Dessau berufen. Er erlebt eine Zeit voller schmerzhafter Kompromisse unter den Nationalsozialisten, sodass das Bauhaus am 10. August 1933 endgültig aufgelöst wird. Ludwig Mies van der Rohe emigriert in die Vereinigten Staaten, 1951 baute er das weltberühmte Farnsworth House, später das Seagram Building in New York von 1958. Ludwig Mies van der Rohe stirbt im Jahr 1969 in Chicago als einer der unerreichten Architekten der Moderne.