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Karl-Friedrich Schinkel

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Ein klassizistischer Gartensessel

Genehmigter Abguss nach dem Originalsessel aus dem Stadtmuseum, München. »Die beiden jeweils in einem Stück gegossenen Seitenteile mit Rundstäben aus Stahl verbunden. Die durchbrochene Rückenlehne durch eine Lyra, ein Medusenhaupt mit zwei weitgefächerten Flügeln und durch Akanthusranken geschmückt. Möbel dieser Art – u.a. auch Bänke und Tische – wurden in den verschiedensten Ausführungen von den Königlich Preußischen Eisengießereien, aber auch von zahlreichen anderen Eisenhütten hergestellt.«

Formal weisen die Seitenteile mit ihren mittig verbundenen Bogensegmenten auf ein Möbelstück hin, das fast ein Jahrhundert später entworfen wird und dessen Reedition als Statussymbol in vielen Aufenthaltsräumen und Wohnungen gegenwärtig ist: den von Ludwig Mies van der Rohe 1928 anläßlich der Weltausstellung in Barcelona entworfenen Sessel für den deutschen Pavillon. (Text von Jörg Stürzebecher, aus dem Buch „CINETIQUE“).

Produktinfo

»Der Klassizismus war in Preußen klarer und einfacher als anderswo,« bemerkt der Produktgestalter Dieter Rams zu Schinkels Neuem Pavillon im Schloßpark Charlottenburg (1824/25). Dieser Klassizismus, wie Schinkel ihn verstand, war zwar auch (Zeit-) Stil, vor allem aber Bestandteil einer umfassenden Umweltgestaltung, die Bauten und Gärten zu einem industrialisierten Gartenreich verbinden sollte und letztlich das militärisch-agrarische Preußen zivilisatorisch zu modernisieren beabsichtigte.

Schinkels Gartensessel, ursprünglich in der (staatlichen) Königlichen Eisengießerei zu Berlin hergestellt, ist ein Produkt der sich durch die Dampfmaschine mächtig entwickelnden Industrie, ein früher Seriengegenstand aus wenigen Teilen ohne Stückzahlbegrenzung, dessen Funktion es ist, in Gärten und Parkanlagen zur Erholung beizutragen, eine Erholung, die freilich zunächst den Produzenten des Sessels nicht oder nur zu seltenen Gelegenheiten ermöglicht wurde. Formal weisen die Seitenteile mit ihren mittig verbundenen Bogensegmenten auf ein Möbelstück hin, das fast ein Jahrhundert später entworfen wird und dessen Reedition als Statussymbol in vielen Aufenthaltsräumen und Wohnungen gegenwärtig ist: Den von Ludwig Mies van der Rohe 1928 anlässlich der Weltausstellung in Barcelona vorgestellten Sessel für den deutschen Pavillon.