D1N
Tobias Groß

D1N
Passepartout für den Be-Sitzer

Der radikale Denkansatz, den Peter Keler mit seinem Sessel D1 schuf, faszinierte Tobias Groß sofort. Der Kölner Gestalter, der auch dem Teetisch von Erich Brendel ein neues Erscheinungsbild verlieh, beschäftigte sich hier ebenfalls intensiv mit den Farbwelten. Sein Ziel: den D1 in zeitgemäßen Kolorierungen markanter zu gestalten. So legte er für den „Rahmen“ des Sessels dunklere Farbtöne auf, den Innenraum, also Sitz- und Rückenfläche, gestaltete er um eine Nuance heller.

So erhält der „Urväter“ der Sessel, der ganze Gestalter-Generationen prägte, eine überraschende Leichtigkeit im Raum. Und einen neuen Effekt: für den sitzenden Menschen wirkt er wie ein ästhetisch vollendeter Rahmen. Ein Passepartout, das den Körper in Form- und Farbwelten zu versetzen mag wie ein Bild.

Die kubische Grundform der neuen D1-Serie zeigt sich in Blauschattierungen und etwas heller abgetönten Pastelltönen. Das Material, der streichelweiche Samtstoff, nimmt den Be-Sitzer angenehm auf. Nach wie vor faszinieren die Rollen, auf denen man das Möbel fast schwerelos bewegen und kreisen lassen kann.

Interessant wird der D1 in Kombination mit der Neuinterpretation des Brendel-Tisches von Tobias Groß: ein Duo aus frischen Farbwelten und schwungvoller Beweglichkeit, die für modernes, zeitgemäßes Wohnen stehen.

Produktinfo

Tobias Groß wurde 1976 in Braunschweig geboren, ist verheiratet, Vater zweier Kinder. Von 1997 bis 2002 Studium an der FH Köln, Fachbereich Design, Abschluss Diplom Designer. Auszeichnung der Diplomarbeit mit dem ersten Platz des First Move Design Award, Messe Frankfurt a.M. Anstellung bei diversen Designagenturen, u.a. 2003 frog design Kalifornien, Sunnyvale, Brand Department. 2004 Gründung des eigenen interdisziplinären Designbüros großgestalten Kommunikationsdesign in Köln, 2018 Gründung des »Studio für Gestaltung«, Köln. Arbeitet bis heute für zahlreiche namhafte Kunden im Kontext Architektur, Design, Kunst und Kultur. Seit 2012 Dozent für Informationsdesign an der Rheinischen Fachhochschule Köln.

Über das Studio für Gestaltung, Köln
Die intensive Beschäftigung mit den Themenwelten der Kunden prägt Arbeit und Projekte des Studio für Gestaltung in Köln. „Unsere Aufgabe ist, die Haltung und Produkte unserer Kunden weiterzudenken “, so Agentur-Inhaber Tobias Groß. „Die Identität des Kunden in Kommunikation fortzuführen.“ Der Teamgedanke, offenes und interdisziplinäres Arbeiten gehört zur Philosophie der Agentur. Seit sieben Jahren ist das Studio auch die Kommunikation der Marke Tecta verantwortlich. Die reduzierten und zugleich farbenfrohen Kataloge, Broschüren und Messestände spiegeln den Schritt des Unternehmens, das Bauhaus aktiv weiterzudenken. Inzwischen dokumentieren über 50 nationale und internationale Auszeichnungen die hohe Qualität des Studios für Gestaltung. Darunter: Die schönsten Deutschen Bücher, 100 Beste Plakate, Red Dot Communication Design Award, Designpreis der Bundesrepublik Deutschland, iF Communication Design Award, ADAC Award.

Interview mit Tobias Groß
Klare Kante – Brendels Tisch verjüngt

Studio für Gestaltung hat sich bei der Neuinterpretation eines Bauhaus-Möbels für den Teetisch von Erich Brendel entschieden. Ein auf den ersten Blick zurückhaltendes Möbel. Warum sprach es Dich an?

Tobias Groß: Wir arbeiten als Gestalter schon lange mit Tecta zusammen. Im Laufe dieser Zusammenarbeit fiel mir dieser ungewöhnliche und zugleich zurückhaltende Teetisch mehr und mehr ins Auge. Er drängt sich nicht auf und bekam in der Kommunikation bisher noch keine große Bühne. Die Begeisterung wuchs, als wir uns näher mit ihm beschäftigten. Brendels Gestaltung ist reduziert und klar wie das Bauhaus. Sie verkörpert Reduktion, Funktionalität, aber auch das Verspielte und den Humor. Dinge, die stark mit dem „Heute“ verbunden sind.

Welcher konstruktive Blick gefiel an diesem Möbel?
Es ist ein Tisch, der sich zurücknimmt, aber im nächsten Augenblick extrovertiert, großzügig und raumgreifend erscheinen kann. Durch die Möglichkeit des Ausklappens erhält er eine immer wieder neue Form. Mit einer ausgeklappten Seite verkörpert er das Auskragende und damit den engen Bezug zu Tecta. Mit jeder geöffneten Seite gewinnt er an Dimension. Der Tisch ist ein geniales Möbel, bei dem man die Flächen verdoppeln, verdrei- oder vervierfachen kann.

Was wurde mit der Neuinterpretation verändert?
Eigentlich hat man vor dem Bauhaus-Möbel so viel Respekt, dass man gar nichts verändern will. BauhausNowhaus hat uns in die Karten gespielt bei der „erlaubten“ Fragestellung: an welcher Stelle kann man das Möbel noch verbessern? Wir merkten, dass man es noch weiter reduzieren kann. Die Grundform des Kubus haben wir in den Mittelpunkt gestellt, aber das Podest weggenommen, weil es eine Veränderung des Kubus in die Vertikale mit sich brachte. Erich Brendel wollte den Tisch damit auf Höhe bringen, wir brauchten die Höhe aber nicht für die ausdifferenzierte Form.

Ist der Teetisch heute noch für seinen Einsatz als Five o´clock-Möbel gedacht?
Ich denke ihn als Beistelltisch, nicht mehr als Teetisch. Ich habe ihn zu Hause ausprobiert, aber in seiner alten Dimension war er eher störend. Für moderne, junge Wohnwelten haben wir seine Maße bewusst reduziert. Flächen und Stützen sind filigraner gestaltet, so erreichen wir ein leichteres, flexibleres Möbel als zuvor.

Was sollte an dem neuen Tisch betont und zeitgemäß nach vorne getragen werden?
Wir wollten den konstruktiven Moment des Möbels betonen. Die Scharniere sind sichtbar, alles Konstruktive ablesbar. Durch die bewusste farbliche Betonung der Profilkanten lenken wir den Blick auf den eigenwilligen Charakter des Möbels und unterstreichen ihn. Die neue Zweifarbigkeit lassen das Möbel zeitgemäß erscheinen. In der Fläche arbeiten wir mit ruhigen, gedeckten Farben: Oliv, Rot und Blau. Die Kanten stechen durch frische Pastelltöne hervor. Sie verlaufen um den Tisch und geben ihm je nach Stellung der Tischplatten ein neues, überraschendes Erscheinungsbild.

Denkt man als Grafiker Produkte eigentlich anders?
Als Grafiker haben wir zu Beginn irre Entwürfe auf die Flächen des M10 gelegt. Bauhaus-Muster, Pop-Art-Farben, Memphis-Grafiken – wir haben alles Denkbare ausprobiert.  Aber wir haben uns dagegen entschieden, weil es zu laut ist. Es ist beim Kubus eine Menge möglich. Aber wir wollten das Bauhaus-Produkt nicht zum Marketing oder Grafik-Würfel degradieren. Man will alles mit Sinn und Verstand tun, mit Blick auf die Konstruktion. Wir arbeiten nicht mit Effekthascherei, dafür auch unser Studio für Gestaltung nicht.

Für wen könnte sich der M10 heute eigenen?
So wie er sich jetzt zeigt, zum Beispiel für kleinere Wohnungen, in denen man ein flexibles Möbel braucht. Er ist nicht festlegt auf eine bestimmte Aktion und Handlung, sondern ein Möbel, das sich vielseitig präsentiert. Man könnte ihn als Hocker nutzen, wenn man ihn aus der Ecke schiebt. Die meisten Produkte sind auf eine bestimmte Handlung hin durchgestaltet. Das gibt zwar Orientierung beim Kauf, aber mit mehr Flexibilität hat man später den Riesenvorteil, dass das Produkt vielschichtig einsetzbar ist und eine deutlich höhere Nutzbarkeit hat.

Was wäre das nächste Produkt, für das sich dass Studio für Gestaltung interessieren könnte?
Wir sind Fans von Peter Keler. Der D1,  der an die hundert Jahre alt ist, ist Sinnbild eines rollenden Sessels in seiner kubistischen Grundform. Man könnte hier viel mit dem Thema Materialität anstellen. Es wäre darüber hinaus eine tolle Idee, mit den rollenden Tecta-Tischen und Sesseln ein „„rollendes Tecta-Popup-Café““ zu eröffnen, in dem nichts fest steht. Jede Stunde sieht es anders aus, weil die Besucher alles neu stellen und verändern können – ob zu zweit, zu viert oder zu zehnt. Das wäre ein freudvolles Projekt (lacht).