S43
Marcel Breuer

S43
Präzision des Denkens

Neun Schubladen, gestapelt und alternierend schwarz und weiß voneinander abgesetzt. Ein lebendiger, ein sympathischer Entwurf des Bauhaus-Meisters. Die Kommode sollte beweglich bleiben, daher steht sie auf Rollen und kann mit zwei seitlichen Griffen in Position geschoben werden.

In einem Grundsatzessay beschrieb Breuer seinen Antrieb als Entwerfer: „Das Menschliche sollte, wie mir scheint, mehr bedeuten, als nur liebenswürdige Duldsamkeit gegenüber Schlendrian und Unvollkommenheit, nämlich eine Präzision des Denkens, eine Qualität der Planung und die daraus sich ergebenden Konsequenzen für Materialien, Details und Konstruktion.“

Präzision als Menschlichkeit, das ist genau jene gedankliche Wendung, die Breuers Entwürfe auszeichnet und so sympathisch macht. Wer die Kommode S43 neben ihrer kleinen Schwester S41 sieht, erkennt sofort ihre Familienbande. Hier hat Marcel Breuer eine Hommage an die großen Hochbauten der Moderne geschaffen, die Stockwerk für Stockwerk Funktionen aufnahmen und gewissermaßen unendlich in die Höhe schossen.

Und doch greift dieser Vergleich zu kurz. Breuer hat einen zweiten Ansatz mit dem architektonischen Grundprinzip der Addition verwoben: jenen der Serialität. Wie bei Constantin Brâncușis „Unendlicher Säule“, 1937/38 am Südrand der Karpaten aufgerichtet, ging es darum, die Vorzüge des Seriellen künstlerisch umzusetzen und über das Materielle selbst hinauszugehen. Breuer stapelt zwar keine Pyramidenstümpfe, sondern „nur“ Boxen. Und doch ist der Effekt spürbar: Hier geht es nicht allein darum, Funktionen zu stapeln, hier bietet Breuer Auge und Hirn Gelegenheit, zu wachsen und über das Materielle selbst hinauszugehen.

Noch leichter und beweglicher wird die Kommode S43 in Ihrer Variante S43E, mit einem Korpus aus poliertem Edelstahl, der sich materialtechnisch an die Stahlrohrinnovation des Bauhauses anschließt.

Produktinfo

Perfektion von Konstruktion und Detail. Natürlich verbinden wir den Bauhaus-Meister Marcel Breuer zuvorderst mit einem Werkstoff: Stahlrohr. Und einem Prinzip: dem Kragstuhl, der als Initialzündung modernen Möbelbaus diente. „Die Entfesselung des Menschen vom starren Sitz wich der Entfesselung auf den schwebenden Sitz. Der Kragstuhl wurde zum Zeitsymbol.“ Doch damit werden wir Marcel Lajos („Lajkó“) Breuer (1902-1981) nicht gerecht. Der Gestalter betrieb tatsächlich „Wesensforschung“: Was soll, was kann ein modernes Möbel heute leisten, war die Frage des Bauhauses. 1925 wurde Breuer als „Jungmeister“ Leiter der Möbelwerkstatt in Dessau. Schon im Jahr zuvor formulierte er, was er unter zeitgemäßer Einrichtung verstand.

Breuer ging es nicht ums Formale, auch wenn er höchsten Wert auf Details legte, ihm ging es um gedankliche Präzision. „Es gibt die Perfektion von Konstruktion und Detail, zusammen mit und im Gegensatz zur Einfachheit und Großzügigkeit in Form und Gebrauch“, schrieb er in einem Grundsatzessay.

Dass er dem Stahlrohr zum Durchbruch im Möbelbau verhalf, mag auch daran liegen, dass er als einer der ersten erkannte, dass unser Leben dynamischer geworden war und ebenso leichte wie bewegliche Lösungen verlangte. Der begeisterte Radsportfan nutzte zugleich das Modernste, was Architektur, Industrie und Gestaltung aufbringen konnten für einen neuen Zeitgeist. „Ich habe für diese Möbel Metall gewählt, um die Eigenschaften moderner Raumelemente zu erreichen“, erklärte Breuer. „Die schwere Polsterung eines bequemen Sessels ist durch die straff gespannte Stofffläche und einige leicht dimensionierte, federnde Rohrbügel ersetzt.“ Dazu gehörte auch, dass die Konstruktion nicht mehr versteckt wurde, sondern chromblitzender Teil der Erscheinung war.

Kragstühle wurden geschraubt, nicht geschweißt, Funktionen gestapelt und farblich gefasst. Das Ergebnis waren entmaterialisiertes Schweben und ein neuer Geist im Raum. Der Kragstuhl stellte eine Befreiung vom jahrtausendealten Thronmodell des steifen Sitzens dar. Er war das umgesetzte funktionelle, kinetische und konstruktive Gegenprinzip. Diese kinetische Linie, der Aufbruch der Moderne, ist heute bis zu den jungen Bauhaus-Gestaltern nachvollziehbar.