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El Lissitzky

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Tisch des Ansagers

»Die statische Architektur der ägyptischen Pyramide ist überwunden: unsere Architektur rollt, schwimmt, fliegt. Es kommt das Schweben, Schwingen. Die Form dieser Realität will ich miterfinden und gestalten.« (El Lissitzky, 1926) Umsteigestation von der Malerei zur Architektur, so bezeichnete El Lissitzky seine »Proun«-Bilder, und dieses Umsteigen gilt auch für die beweglichen Bauwerke der täglichen Umgebung, die Tische und Sitze.

Freilich existiert das meiste von dem, was Lissitzky für die junge Sowjetunion entwirft, nur als Zeichnung oder Montage: Lissitzky plant in Stahl und Glas, wo es an Holz und Zement mangelt, und schon bald verhindert die gefestigte politische Macht die auch ästhetische Revolution. So kommt es, dass von Lissitzky, der in Darmstadt Architektur studierte, kein einziges originales Bauwerk existiert und lediglich Rekonstruktionen erahnen lassen, was der von Konstrukteuren und Dekonstruktivisten heute gleichermaßen geschätzte Künstler, Architekt, Typograf und Entwerfer beabsichtigte, dem es im übrigen stets mehr um das ganze Weltrund als um den beschaulichen stillen Rechtwinkel ging. Tectas Zusammenarbeit mit Lissitzkys Witwe und Sohn geht auf das Jahr 1978 zurück und gilt zunächst einem zerlegbaren Lehnstuhl, ursprünglich für die Hygiene-Ausstellung 1930 in Dresden entworfen. Doch ist dies nur der Beginn einer Reihe von Entdeckungen. Denn in der Figurine des »Ansagers« aus der Mappe »Sieg über die Sonne« erkennt Axel Bruchhäuser die Grundform einer Tischfläche, wie sie Lissitzky 1930 ebenfalls für Dresden gestaltet hatte.

Produktinfo

Der Universalkünstler El Lissitzky (1890–1941) ist einer der Hauptvertreter des Konstruktivismus. Der Architekt, Fotograf, Designer, Grafiker und Maler studierte zunächst Architektur an der Technischen Hochschule Darmstadt (1909–14) und in Moskau (1914–18) und unterrichtete – eingeladen von Marc Chagall – an der Kunstschule Witebsk, wo er auf Kasimir Malewitsch trifft. Lissitzky selbst bezeichnete sich gerne als Konstrukteur. Begeistert von exakten Wissenschaften und der Technik der Neuzeit schuf er fortan geometrisch-abstrakte Arbeiten (Proun = Projekt zur Bestätigung des Neuen), die scheinbar schwerelos im Weltraum schweben.

Berühmt, aber nicht gebaut, wurde sein „schwebendes, horizontales Hochhaus“ von 1924/25, dessen Name „Wolkenbügel“ möglicherweise auf Hans Arp zurückgeht. Der „Wolkenbügel“ war El Lissitzkys Beitrag zur Modernisierung der Stadt, ein beliebig anzuwendender Prototyp, der markante Punkte auszeichnen sollte. Der „Wolkenbügel“ wurde zugleich zur Ikone der Moderne und sein Erschaffer sollte Recht behalten: „Nur Erfindungen werden die Gestaltung beeinflussen.“ Der Wolkenbügel und seine Kragkonstruktion prägten auch die Entwicklung des Kragstuhls auf der Basis eines neuen Zeitgefühls: des Schwebens und Schwingens.

Als Gestalter prägte der Konstruktivist El Lissitzky die Avantgarde der Zwanziger Jahre wesentlich. Unvergessen ist seine Tribüne für Lenin, die den Revolutionär in einer weit ausladenden Stahlkonstruktion über dem Boden schweben lässt und die Geste Lenins bei seinen Reden zitiert. Tectas Zusammenarbeit mit Lissitzkys Witwe und Sohn Jen geht auf das Jahr 1978 zurück und gilt zunächst dem gebogenen Sperrholzstuhl, ursprünglich für die Hygiene-Ausstellung 1930 in Dresden entworfen. Der Beginn einer Reihe von gemeinsamen Schritten und Entdeckungen.