Walter Gropius

Erfinder der Regeln.
1903 begann Gropius ein Architekturstudium an der Technischen Hochschule München, das er ab 1906 an der Technischen Hochschule Charlottenburg fortsetzte, 1908 aber ohne Diplom abbrach. Im selben Jahr trat er in das Büro von Peter Behrens ein, in dem neben ihm auch andere später berühmt gewordene Architekten gearbeitet hatten, unter anderem Ludwig Mies van der Rohe und Le Corbusier. Nach zweijähriger Mitarbeit bei Behrens machte sich Gropius 1910 als Industriedesigner und Architekt selbständig. Als Formgestalter entwarf er Inneneinrichtungen, Tapeten, Serienmöbel, Autokarossen und eine Diesellokomotive.

Seine erste bedeutende architektonische Arbeit war das Fagus-Werk in Alfeld an der Leine, das er zusammen mit Adolf Meyer baute. Dieser Fabrikbau gilt mit seiner Stahl- und Glasarchitektur als richtungsweisendes Werk der später sogenannten »Modernen Architektur«, die in den 1920er-Jahren unter der Bezeichnung »Neues Bauen« oder »Neue Sachlichkeit« zum allgemeinen Begriff wurde. Das Fagus-Werk wurde im Juni 2011 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Gropius zum Begründer des Bauhauses: Er wurde 1919 auf Vorschlag Henry van de Veldes als dessen Nachfolger zum Direktor der Großherzoglich-Sächsischen

Hochschule für Bildende Kunst in Weimar (Thüringen) ernannt und gab der neuen Schule den Namen »Staatliches Bauhaus in Weimar«. Gropius hatte das Amt des Direktors (zunächst in Weimar bis 1926 und danach in Dessau) inne. Ludwig Mies van der Rohe führte das Bauhaus bis zur Schließung 1933. 1934 emigrierte Gropius nach Angriffen der Nationalsozialisten auf das Bauhaus als der »Kirche des Marxismus« nach England und 1937 weiter in die USA nach Cambridge, wo er als Professor für Architektur an der »Graduate School of Design« der Harvard University tätig war.

Tecta-Walter-Gropius

                                          

Marcel Breuer

Umsetzer des Stahlrohr-Potentials.
Marcel Breuer absolvierte von 1920 bis 1924 eine Lehre in der Tischlerei des Bauhauses. Nach einem Paris-Aufenthalt übernahm er 1925 die Leitung der Tischlerei des Bauhauses in Dessau. 1925/26 entwickelte er seine ersten Stahlrohrmöbel. »Ich habe für diese Möbel Metall gewählt, um die Eigenschaften moderner Raumelemente zu erreichen. Die schwere Polsterung eines bequemen Sessels ist durch die straff gespannte Stofffläche und einige leicht dimensionierte, federnde Rohrbügel ersetzt«. Peter Smithson schreibt über die Bedeutung von Breuer: »Wenn man sich fragt, wer von der Zweiten Generation in Europa den Geist seiner Periode im Möbelbau

festgehalten hat, dann muss die Antwort Marcel Breuer lauten.«

Marcel-Breuer

                                          

Sergius Ruegenberg

Sergius Ruegenberg ist einer der weniger bekannten Meister der Architekturmoderne. Durch seine zeichnerischen Fähigkeiten und seine Kreativität war er u.a. für Ludwig Mies van der Rohe, Hans Scharoun und Bruno Paul ein wichtiger Entwurfspartner. Im Büro von Mies van der Rohe war er von 1925–1934 beschäftigt. Dort beteiligte er sich an der Konzeption der Villa Tugendhat in Brünn und am Entwurf für das Kriegerdenkmal in der Neuen Wache Berlin. Er war Bauleiter des deutschen Pavillons bei der Weltausstellung 1929 in Barcelona, für den er die Rohfassung des berühmten Barcelona-Sessels entwarf. Ruegenberg selbst beschrieb seine Entstehung mit den Worten: »Drei Tage vor meiner Abreise als

Bauführer nach Barcelona erhielt ich von Mies den Auftrag, einen Sessel zu entwerfen, der Stahl-Hocker war bereits verwirklicht. Einer meiner Entwürfe wurde von Kaiser zur Fertigung gebracht, während ich fort war.« (Ruegenberg, 6. April 1988) 

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitet er zehn Jahre für Hans Scharoun. Er bevorzugte die Architektur des »sinnlich, dynamischen Scharoun" gegenüber jener des »glasklaren, geistigen Mies«. Er nahm an diversen Wettbewerben teil. So zum Beispiel am Wettbewerb »Rund um den Zoo« 1948 in Berlin, bei dem sein Entwurf eines »Non-stop-Flughafens« Aufsehen erregte. Ende der 80er Jahre entstanden in

Zusammenarbeit mit Axel Bruchhäuser Zeichnungen und Möbelentwürfe. Seit 2006 wird einer dieser Entwürfe, ein Kragsessel, den er selbst den »Tugendhaften Sessel« nannte, von TECTA produziert. Viel beachtet wurden seine ironisierenden Skizzen, welche die zeitgenössische Architekturwelt karikierte.

Ruegenberg

                                          

Ludwig Mies van der Rohe

Unerreichter Baumeister.
Keinem anderen ist es gelungen, vollständige Systeme so zu bauen wie Le Corbusier und Mies van der Rohe. Ihre Dichte ist derart, daß die Natur ihrer Systeme noch im Fragment impliziert ist. So hat man zum Beispiel ein völlig klares Bild der Art von Stadt und Gesellschaft, wie sie Mies van der Rohe vorschwebte, obwohl er nie viel darüber gesagt hat. Es ist nicht übertrieben zu sagen, daß die Mies'sche Stadt im Mies'schen Stuhl impliziert ist. Peter Smithson, aus: »Footnote on the Seagram Building«, veröffentlicht in Architectural Review, Dezember 1958

Mies-van-der-Rohe

                                          

Peter Keler

Anfang der 20er Jahre war der gebürtige Kieler Mitglied des Künstlerkreises Worpswede. Dort hatte Heinrich Vogeler, orientiert an der englischen Arts-and-Craft-Bewegung, sein Haus zu einem Gesamtkunstwerk umgestaltet und damit die Avantgarde-Kolonie zum Projekt der »Lebensreform« umdefiniert. Die Vision der Umgestaltung aller Lebensaspekte, die durchaus politisch gemeint war, drückt sich in Kelers vielseitigem Schaffen aus. Er arbeitete als Maler Grafiker, Architekt, Fotograf und Möbelgestalter. Bald ging er wie sein Worpsweder Künstlerkollege Wilhelm Wagenfeld nach Weimar ans Bauhaus. 1921 besuchte er den Vorkurs von Johannes Itten. Ab dem Wintersemester 1921/22 besuchte er bis 1925 die

Wandmalereiabteilung bei Oskar Schlemmer und Wassily Kandinsky. In seiner Zeit am Bauhaus in Weimar realisierte Keler die Farbgestaltung von Bauten und Räumen wie beispielsweise die der Büroetage des Fagus-Werks in Alfeld an der Leine, sowie den Direktionsraum von Walter Gropius im Hauptgebäude des Bauhauses. Zu seinen in dieser Zeit entstandenen Möbelentwürfen zählt eine Wiege, nach der Farb- und Formidee von Wassily Kandinsky, die er im Rahmen der ersten Bauhaus-Ausstellung 1923 kreierte. Keler wurde im Sommer 1922 Mitglied der am Bauhaus tätigen konstruktivistisch ambitionierten KURI-Gruppe (konstruktiv, utilitär, rationell, international). Nach seinem Weggang vom Bauhaus

Weimar eröffnete er im selben Jahr ein eigenes Atelier für freie und angewandte Malerei, Werbegrafik und Innenarchitektur. Von 1928 bis 1936 arbeitete er als künstlerischer Mitarbeiter für Firmen der sächsischen Textil- und Maschinenindustrie. Zwischen 1937 und 1945 erteilten ihm die Nationalsozialisten Ausstellungsverbot. Nach Kriegsende folgte er dem Ruf an die neu gegründete Hochschule für Baukunst und bildende Künste in Weimar und erhielt dort zwei Jahre später eine Professur, die er bis 1963 innehatte. Ab 1965 arbeitete er als freischaffender Architekt in Weimar.

Peter-Keler

                                          

El Lissitzky

Zeichner der Zukunft.
El Lissitzky, einer der großen Anreger der Typographie dieses technischen Zeitalters, war von sprühendem Geist und unbändigem Erfinderdrang erfüllt. Dass er sich von 1909 bis 1924 an der Technischen Hochschule in Darmstadt zum Ingenieur ausgebildet hatte, kam der Entfaltung seiner Schöpferkraft in einzigartiger Weise zugute. Er sah in jeder Aufgabe grundsätzlich ein technisches Problem. Er glaubte er sei ein Ingenieur, aber er war ein Künstler; einer der frühesten Konstruktivisten. Er nannte sich Konstrukteur. In allen Arbeiten und Schriften El Lissitzkys leuchtet die Begeisterung des Künstlers für die Arbeitsweise des Ingenieurs, für die exakten Wissenschaften, für die

Technik der Neuzeit. Ihn erfüllt der Glaube, dass die Wissenschaft fähig sei, das Los der Menschheit zu erleichtern. Tätig war er als Erfinder, Konstrukteur, Denker, Maler, Fotograf, Typograf: er war allseitig. El Lissitzky war Vorläufer und Vorausseher; er erlebte nicht zu oft eine Verwirklichung seiner eigenen Ideen: die meisten blieben Papier. Sein Einfluss auf die spätere Richtung des im Jahre 1919 gegründeten Bauhauses muss groß gewesen sein.

El-Lissitzky Portrait

                                          

Erich Brendel

Erich Brendel (1898–1987), Tischler-Lehrling in den Bauhaus-Werk­stätten und später namhafter Architekt in Frankfurt a.M., war einer der wenigen Handwerker, die sich am Bauhaus mit eigenen Entwürfen durchsetzen konnten. Inspiriert vom streng kubischen Gropius-Direk­torenzimmer kreierte er 1924 den klappbaren Esstisch, der als Nr. 7 der »Neuen Arbeiten der Bauhaus-Werkstätten« dokumentiert wurde. Von TECTA werkgetreu reproduziert, gibt es dieses außergewöhnliche Möbelstück, auf Vorschlag von Brendel auch in einer verkleinerten Version als Couchtisch.

Erich-Brendel Portrait

                                          

Stefan Wewerka

Genialer Verformer des Alltäglichen.
Stefan Wewerka gilt als einer der vielseitigsten Künstler, der in keine Schublade passt und in allen Bereichen der bildenden Kunst und des Designs arbeitete und lehrte. Stefan Wewerka war der Sohn des Bildhauers Rudolf Wewerka (1889–1954) und entstammte einer traditionellen Künstlerfamilie, die sich über viele Generationen zurückverfolgen lässt. Er studierte nach dem Zweiten Weltkrieg Architektur an der Hochschule für Bildende Kunst in Berlin, als Schüler von Max Taut, Eduard Ludwig und Georg Leowald. Während seines Studiums 1946 war er Mitbegründer des »Studentenheims Eichkamp«. Danach arbeitete er in Architekturbüros, unter anderem

bei Hans Scharoun. Ab Ende der 1950er Jahre betätigte sich Wewerka zunehmend als freier Künstler. In den 1960er Jahren begann er mit den Zerschneidungen und Umbauten vor allem von Stühlen, aber auch anderen Alltagsobjekten wie Münzen, Besteck, Fahnen, Schallplatten usw. In den 1970er Jahren entstanden vor allem Radierungen (zahlreiche Mappenwerke und Einzelblätter), in die gleiche Zeit fiel auch die Freundschaft und Zusammenarbeit mit Dieter Roth. 1978 begann seine Zusammenarbeit mit der Firma TECTA, für die er individuelle Möbel entwarf. Sein Hauptwerk bilden die Stuhl-Skulpturen, in denen sich bildende Kunst und Design auf unvergleichliche Weise verbinden.

So ist beispielsweise in Kooperation mit TECTA der Dreibeiner B1 entstanden, der zwar dem Bauhaus-Grundsatz »Funktionalität« (form follows function) folgt, aber nicht nach einer funktionalen Reduktion oder gar Eindeutigkeit sucht, sondern sieben unterschiedlichen Sitzhaltungen gerecht zu werden versucht und damit eine innovative, fast spielerische Form findet. Für TECTA entwarf er 1980–1985 einen Pavillon, der als Duplikat auf der Documenta 8 in Kassel von TECTA aufgebaut wurde und ein Jahr später nach Münster verliehen wurde, wo er für die Kunstakademie Münster am Aasee genutzt wird.

Wewerka b

                                          

Hans Könecke

Der Architekt Hans Könecke entwarf in seinem Studio in Caracas, Venezuela verschiedene Möbelstücke für DK MUEBLES, unter anderem den Schreibtisch und Konferenz-Sessel D48/D49. Die erste serienmäßige Produktion fand nach Köneckes Gründung der Firma TECTA in Lauenförde Ende der 50er Jahre statt.

                                          

Alison & Peter Smithson

Poeten von Gitterwerken
und Geweben.
Alison und Peter Smithson lernten sich während des Studiums an der University of Durham kennen und heirateten 1949. 1950 gründeten sie ihr Architekturbüro APS in London, das sie bis zum Tod von Alison Smithson 1993 gemeinsam leiteten. 1953 waren sie maßgeblich an der Gründung des Team X beteiligt, das seine erste Zusammenkunft während des Architekturkongresses CIAM IX hatte, von dem sie sich kritisch absetzten. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten neben den Smithsons Aldo van Eyck und Jacob Bakema (Holland), Georges Candilis und Shadrack Woods (Frankreich) sowie William & Jill Howell und John Voelcker.

Wichtige spätere Mitglieder waren Jerzy Soltan (Polen), Gier Grund (Norwegen), Ralph Erskine (Schweden) Stefan Wewerka (Deutschland) und Josep Antoni Coderch (Spanien). Ebenfalls von ihnen mitbegründet wurde die Architekturströmung des Brutalismus (Englisch »new brutalism«). Ihr für lange Zeit einziges größeres Projekt nach »Robin Hood Gardens« sind einige Gebäude für die Universität von Bath, die sie in den achtziger Jahren realisierten. Ihre Bedeutung blieb auf ihre Tätigkeit als Lehrende und Theoretiker beschränkt, was ihrem eigenen Anspruch widersprach, in erster Linie praktizierende Entwerfer, und erst in zweiter Linie Theoretiker zu sein. In ihrem Buch »Italienische

Gedanken« schreiben die Smithsons über ihre eigene Arbeit: »Auf gewisse Weise haben wir ein Studentendasein fortgesetzt: abwechselnd Essays zu schreiben und zu zeichnen, Essays, die die Folge der Einsichten sind, die während der bisherigen Bautätigkeit gewonnen wurden (...). Umgekehrt betrachtet, sind wir (...) in Bezug auf die Einheit von Reflexion und Konstruktion ganz und gar der Tradition verbunden.« Eine Möglichkeit, diese Art zu Arbeiten umzusetzen, bekamen sie erst wieder in den achtziger neunziger Jahren.

Von 1986–2002 wurde von ihnen das so genannte »Hexenhaus«, das Wohnhaus von Axel Bruchhäuser in Bad Karlshafen, Hessen, umgebaut 

und erweitert. Parallel gestalteten sie durch architektonische und landschaftsplanerische Umbauten das Firmengelände des Möbelproduzenten TECTA. Das letzte große Werk von Peter Smithson, nach dem Tod seiner Frau 1993, sind die Entwürfe zum Neubau des Kragstuhlmuseum/
TECTA-Archiv Lauenförde, dessen Einweihung im Jahr 2003 er nicht mehr selbst erlebte.

A P-Smithson

                                          

Florian Borkenhagen

Die Arbeiten Borkenhagens bewegen sich bewusst an der Schnittstelle von Kunst und Design. Seine Skulpturen laden häufig zur Interaktion ein, während seine Entwürfe im Möbel- und Interiordesign oft skulpturalen Charakter haben. Bereits während seines sechsjährigen Studiums von 1980–1986 an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg, arbeitete er im letzten Jahr bei Gebhardt Filmproduktion in der Abteilung Filmausstattung und Bühnenbild. Nachdem er zwischenzeitlich in Rom mit Filmausstattung, Bühnenbild und Möbeldesign tätig war, betrieb er ab 1988 ein Atelier in Paris für Möbel und Objekte. Mit diesem Projekt kam er 1989 auch nach Hamburg. Von 1990–1995 arbeitete

Borkenhagen in einer Werkstatt in Como in Italien und gründete des Laboratorio Como, eine Werkstatt für Industriearchäologie und interdisziplinäre Recherche, Möbel, Räume. Von 1996–1998 besaß er eine Werkstatt in München und gab zwischenzeitlich Workshops in Dakar, Abidjan und Kairo. Seit 1999 betreibt er in Hamburg das Skulptur-Projekt travel a head und seit 2005 fungiert er als Professor für Raumkonzept und Design an der Akademie für Mode & Design in Hamburg.

                                          

Karl Friedrich Schinkel

»Der Klassizismus war in Preußen klarer und einfacher als anderswo,« bemerkt der Produktgestalter Dieter Rams zu Schinkels Neuem Pavillon im Schloßpark Charlottenburg (1824/25). Dieser Klassizismus, wie Schinkel ihn verstand, war zwar auch (Zeit-) Stil, vor allem aber Bestandteil einer umfassenden Umweltgestaltung, die Bauten und Gärten zu einem industrialisierten Gartenreich verbinden sollte und letztlich das militärisch-agrarische Preußen zivilisatorisch zu modernisieren beabsichtigte. Schinkels Gartensessel, ursprünglich in der (staatlichen) Königlichen Eisengießerei zu Berlin hergestellt, ist ein Produkt der sich durch die Dampfmaschine mächtig entwickelnden Industrie, ein früher Seriengegenstand aus wenigen

Teilen ohne Stückzahlbegrenzung, dessen Funktion es ist, in Gärten und Parkanlagen zur Erholung beizutragen, eine Erholung, die freilich zunächst den Produzenten des Sessels nicht oder nur zu seltenen Gelegenheiten ermöglicht wurde. Formal weisen die Seitenteile mit ihren mittig verbundenen Bogensegmenten auf ein Möbelstück hin, das fast ein Jahrhundert später entworfen wird und dessen Reedition als Statussymbol in vielen Aufenthaltsräumen und Wohnungen gegenwärtig ist: Den von Ludwig Mies van der Rohe 1928 anlässlich der Weltausstellung in Barcelona vorgestellten Sessel für den deutschen Pavillon.

                                          

Gerrit Rietveld

Der Macher von Dingen - manchmal von magischen Dingen.
»Sorgsam meine persönliche Beziehung zu Rietveld und Haus Schröder überdenkend war mein erster Gedanke, daß es nicht zuviel Gerede geben sollte; weil das, was ich am meisten an Rietveld bewunderte, seine Ruhe war. Seines erschien mir als das einzige Verhaltensmuster für einen wahren Architekten.« Rietveld berührte nur kleine Dinge, jedes erhielt sein eigenes Leben, die Stadt (normalerweise seine eigene Heimatstadt) bereichernd, für sein eigenes gewöhnliches Wohl. Bloß, daß es manchmal zum Weltereignis wurde, welches jedermann berührte. Niemals der Assessor, der Herr Rat, der Schreiber von einführenden Bemerkungen, der 

wissende Experte bei Regierungskommissionen. Einfach ein Baumann und Möbelmacher. Einfach ein Baumann und Möbelmacher? Dann sieht man, warum die Welten gebaut sind. Weil es unleugbar ist, daß der rot-blaue Stuhl und das Haus Schröder magische Objekte sind, und das ist es, was mich an Rietveld zuerst anzog. Die Arbeit der Mitglieder der De Stijl-Gruppe ist normalerweise wunderbar, und manche wenige De Stijl-Gegenstände sind magische Dinge. Theo van Doesburgs sind es nie. Mondrians oft, Van der Lecks oft - aber Kinder-Zauber, kein Erwachsenen-Zauber. Es ist hier nicht an mir, zu versuchen und zu erklären, wie der Zauber kam. Ich kann es nicht glauben, daß jemand absichtlich magisch sein kann, aber

der Mystizismus der frühen De Stijl-Bewegung - die Theosophie (sogar Le Corbusier zitiert Krishna Murti in der »Ville Radieuse«) - kann nicht absolut nichts damit zu tun haben. Es gibt jedoch keinen Zweifel daran, daß die De Stijl-Bewegung die Lebenskräfte der Architektur und Malerei damals erneuerte; und wir können das jetzt noch spüren, wie man in der Tat den Zauber einer früheren Zeit in Segesta zu spüren vermag - diese Art Zauber hält lange Zeit. Der Zauber ist in den Dingen selbst und er ist nicht vorhanden in ihren Photographien. De Stijl-Gegenstände bedeuteten nach dem ersten Krieg, was Pollock und Eames für meine Generation nach dem zweiten Krieg bedeuteten – sie befähigten das Kunst-Leben, erneut zu beginnen. P.S., März 1965

Und man wird dieselben Dinge über die Eames sagen, die man über Rietveld sagt: »Was ist so groß an dem, was sie gemacht haben? Bloß ein Haus und ein paar Stühle«. A.S., veröffentlicht in Bauen und Wohnen, Juli 1965

Gerrit Rietveld

                                          

Andree Weißert

saw ist ein Studio für Gestaltung mit einem Fokus auf Architektur, Raumkonzeption und Möbeldesign. Nach mehr als 12 Jahren praktischer Tätigkeit als Zimmerer, Gestalter und Projektarchitekt sowie theoretischen Arbeiten zum Thema Raum gründete Andree Weißert 2009 saw in Berlin. Neben Beratung, Planung und Projektleitung für kommerzielle und private Kunden arbeitet Andree Weißert kontinuierlich an freien Entwürfen und entwickelt in seinem Studio Prototypen, Objekte und Ideen. Ausgangspunkt seiner Arbeit ist die Faszination für das Potential von Räumen, die Leidenschaft am Gestalten, der Spaß daran, Dinge entstehen zu lassen und nicht zuletzt – ein Haufen von Ideen.

Dipl. Ing. (FH) Andree Weißert 1975 geboren in Itzehoe/Schleswig-Holstein/Deutschland
1997–2000 Ausbildung zum Zimmerer/konstruktiver Holzbau
seit 2000 selbstständig tätig als Handwerker, Planer und Designer
2002–2007 Architekturstudium: Hafen-City-Universität Hamburg
2006–2007 Mitarbeit bei Sauerbruch Hutton Architekten/Berlin
2007 Diplom (learning from Circus)
2008–2009 Projektarchitekt bei Sauerbruch Hutton Architekten/Berlin
2009 Gründung saw

Tecta AndreeWeissert

                                          

Joop Couwenberg

Der junge Niederländer Joop Couwenberg ließ sich von recyclingfähigem Material inspirieren und nutzte dieses auch für sein neustes Objekt: den Kraghocker, den er gemeinsam mit Tecta entwickelte und der mit einer Materialkombi-nation aus Kork und Stahl überrascht. Um das Stahlrohr von Joop Couwenbergs Kraghocker möglichst leicht und dünn verwenden zu können, kam die für Tecta charakteristische Idee »tube aplati« von Jean Prouvé zum Einsatz. Die Rohre des Gestells werden dazu in den Radien »abgeplattet«, so dass es zu einer erhöhten Stabilität und organischen Ästhetik kommt, die den Kräfteverlauf der Konstruktion sichtbar macht. Inzwischen ist der flexible Stuhl dank steter Nachfragen auch mit Stoffsitzen unterschiedlichen Farben erhältlich.

Joop Couwenberg, Ihr Kraghocker ist vom Bauhaus inspiriert – warum?
Eine Eigenart des Bauhaus, die mich ganz besonders fasziniert, ist der Wunsch nach funktionalen Ansätzen. So wurde beispielsweise die dreieckige Form des Hocker-Stahlrahmens in hohem Maße von der Funktion der horizontalen Stapelbarkeit beeinflusst.

Warum haben Sie das Kragstuhl-Prinzip eingesetzt?
Wie im Design der Kragstühle von Mart Stam habe ich Stahlrohre für den Freischwinger-Rahmen verwendet, um die Belastbarkeit der Konstruktion zu erhöhen. Ich habe diese Widerstandskraft genutzt, um ein Objekt zu entwerfen, das aktives und aufrechtes Sitzen fördert.

Was inspirierte Sie zu der Materialkombination von Kork und Stahl?
Die Kombination dieser beiden auf den ersten Blick so konträren Materialien funktioniert bei diesem Design in vielerlei Hinsicht wunderbar. Die Form des Stahlrahmens betont Belastbarkeit und Dynamik des Stuhls. Die warme Korksitzfläche stellt die Verbindung zum kühleren Stahlrahmen her. Das Design macht sich die einzigartigen Eigenschaften beider Materialien zunutze und vereint in sich Schlichtheit, Funktionalität und Dynamik.

In welchen Kontext passt das neue Möbel?
Das Modell passt in informelle Büros wie in Privaträume oder Restaurants. Aufgrund seiner kinderleichten Zerlegbarkeit ist es perfekt für flexible Einsätze.

Joop Couwenberg
Geburtsort:

17.06.1988, Tilburg, Niederlande

Ausbildung: 2007 – 2011
Technische Universität Eindhoven, Fachbereich Industriedesign, Abschluss: Bachelor

2013 – 2014
Thomas More Hochschule Mechelen, Aufbaustudium in Möbeldesign (VOMO), Bachelor mit Auszeichnung.

2014
Gründung des eigenen Ateliers in Tilburg.

JC sw

                                          

Wolfgang Hartauer

Der ausgebildete Tischler und studierte Architekt, der sich selbst als »Handarbeitsmensch« bezeichnet, machte sich 2014 mit seinem Designunternehmen Interior Things mit Sitz in Holzminden selbstständig. Der Rote Faden seiner Arbeit: Mit Leidenschaft und Präzision klares Design und Ordnung schaffen. So entstand auch sein System »Meterware«, ein Ablagesystem für Schreibtisch und Wand. Ganz nach Hartauers Anspruch entworfen: »nehm mich in die Hand und beweg mich!« Pulverbeschichtete Aluminiumschalen tragen edle Ablagen aus Holz oder Filz. Alles passt, nichts klemmt, ist spielerisch er- und befahrbar. Sinnlich, haptisch und exakt zugleich. Fragt man Hartauer was er in seinem nächsten Leben macht, kommt die Antwort 

spontan: Uhrmacher werden. Überraschend? Nicht wirklich, eher die logische Folge seiner Auffassung von Ästhetik und Ordnung, die bei ihm im besten Sinn zusammen passt.

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