»Alles, was Prouvé berührte und gestaltete nahm sofort eine plastische Form an und führte gleichzeitig zu einer eleganten Lösung, die den Kräfteverlauf sichtbar machte.«
Le Corbusier, 1954.

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Schöpferdämmerung – fühlen wie das Material denkt

Jean Prouvés Originale erzielen heute Kunstmarktpreise. Der Konstrukteur liebte es, schöpferisch zu denken. So kam es auch zu dem bahnbrechen-
den Tecta-Patent »tube aplati«.


Ein hochgewachsener Mann bugsiert einen Stahlrohrstuhl in sein Auto. Es ist Abend, die Wettervorhersage gibt Regen an, das Jahr 1983. Der Mann fährt durch die Nacht, rund 700 Kilometer von der Weser nach Paris. Er lässt Sacre-Coeur, Montmatre links liegen. Verzichtet auf den ersten Morgenkaffee, um pünktlich bei der Ausstellungseröffnung von Jean Prouvé zu sein. Er hievt den Stuhl aus dem Auto, um ihn vor dem verblüfften Franzosen aufzubauen.

»Der besessene Deutsche« wird der Gestalter Prouvé später über Axel Bruchhäuser, den Inhaber von Tecta, sagen. Doch er, der schöpferische Architekt und der deutsche Diplom-Ingenieur knüpfen eine Allianz, die später ein bahnbrechendes Patent zur Folge hat, das »tube aplati«.

Hier ging es um nichts Simpleres, als einen Stahlrohrstuhl in seiner konstruktiven Verfeinerung zu fertigen. Prouvé, der künstlerisch denkende Konstrukteur mit eigenem Atelier, war ein Zauberer, wenn es darum ging, nicht am Reißbrett, sondern mit den Händen zu gestalten. Den gleichmäßigen Rohrverlauf, den Axel Bruchhäuser ihm anhand eines hinterbeinlosen Kragstuhls von Mart Stam präsentierte, lehnte er ab.

»Die Verwendung gebogener Stahlrohre fand ich geistlos. Mich inspirierte das Stahlblech, abgekantet, gestanzt, gerippt, dann geschweißt,« erzählte Prouvé und berichtete Axel Bruchhäuser, wie er schon Jahre zuvor rundes Rohr in einem Schraubstock abgeplattet hatte.

An diese Idee erinnert Bruchhäuser sich 1987, als er die massiven Einlagen im gefährdeten Querschnitt des Stuhlrohrgestells von Mart Stam analysiert. Von außen filigran, aber von innen massiv. Eine Illusion, die dem Ingenieur so nicht gefiel. Sein Einfall: das Rohr im unteren Radius des Kragstuhls ebenfalls abzuplatten. Das Patent »tube aplati« nach der konstruktiven Anregung von Prouvé war geboren.

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Vergleich zwischen einem üblich gebogenem Rundrohr und einem »tube aplati«-Rohr.

Dass dieser kleine Eingriff, der den Kräfteverlauf sichtbar werden ließ, auch bahnbrechend war, beschieden damals schon Experten wie Heinz Rasch: »Die geniale Idee mit den gepressten Rohren – der Beginn einer neuen Stahlrohrgeneration.« Der Rest ist Legende: tube aplati, der das gepresste Stahlrohrgestell im unteren Radius um fast 30 Prozent verstärkte, ließ die Stapelbarkeit möglich werden und wurde wegweisend für eine Serie von Produkten, die sich heute wie ein Roter Faden durch die Tecta-Kollektion zieht.

»Man muss fühlen wie das Material denkt,« war Prouvé überzeugt. Und das bezog der Bildhauersohn auf sein gesamtes Oeuvre. War es damals sein Anliegen, Möbel nicht nur funktionell, sondern auch ästhetisch zeitlos und preisgünstig herzustellen, unterliegen seine Originale heute längst den Spekulationen des Kunstmarkts. Noch im Mai wurden bei der Auktion von Artcurial in Paris für den seltenen »Table Présidence« rund 1,1 Millionen Euro erzielt. 

Prouvés geistige Hinterlassenschaft währt indes unvermindert weiter: Das Konstruktive schöpferisch weiterdenken, war sein Appell. Bis heute wird bei Tecta dieser Ansatz fortgeführt und ins neue Jahrhundert übertragen.

Ein Beispiel dafür ist der Tisch M 36 von Andree Weißert. Der Architekt und Gestalter aus Berlin ließ sich von dem Viadukt  der U-Bahnlinie U1 in Kreuzberg inspirieren. »Es folgt den Linien der Kraft und bundelt diese zu einer Gestalt, die sich nur auf ihre Funktion bezieht«, so Weißert. Ähnlich wie Prouvé versuchte er das Material zu ergründen und ließ sich bei seinen Gesprächen mit Axel Bruchhäuser und Christian Drescher im Tecta-Werk auch für den Kräfteverlauf des Stahlrohrs begeistern. Ein Nachfahre ganz im Sinne des französischen Konstrukteurs: »Wenn man es versteht, braucht man es nicht erklären. Wenn man es nicht versteht, kann man es nicht erklären«, war Prouvé überzeugt.

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Der schöpferische Konstrukteur des »tube aplati«-Prinzips Jean Prouvé

Tipp
Über 100 verschiedene Prouvé-Originale können Sie im »Jean Prouvé Archiv« im Kragstuhlmuseum von Tecta in Lauenförde besichtigen.

Öffnungszeiten 
Do & Fr
10:00 – 12:00 Uhr &
14:00 – 17:00 Uhr
Sa 10:00 – 14:00 Uhr

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Skizze »tube aplati« von Jean Prouvé

Tecta TubeAplati 02

Das Prinzip »tube aplati«

TECTA B20 Naturrohrgeflecht stapelbar Kragstuhl tube-aplati Tecta-Geflecht persp 2
TECTA D35-1 Leder-honig Kragsessel tube-aplati Tecta-Geflecht persp 3

»Tube aplati« ist Markenzeichen aller Kragstühle von TECTA.
B20
D35-1

D43 05

Auch bei neueren TECTA-Produkten findet das Prinzip Anwendung, zum Beispiel bei allen Ausführungen des D43

Tecta TubeAplati CC

… oder bei der Kraghocker-Serie von Joop Couwenberg.
CC1
CC2
CC3