Wege durch das Land

Literatur- und Musikfestival

Flying Furniture:
Von Luftschlössern, Lebenskünstlern und dem Traum vom Schweben

Im Mai diesen Jahres zeigte sich das TECTA Kragstuhlmuseum als Gastgeber für das Literatur- und Musikfestival »Wege durch das Land« und öffnete die hohen Türen der Museumshallen für zahlreiche Besucher. Zwischen den federnden, schwebenden Stuhlkonstruktionen der Moderne und mit freiem Blick über die Wiesen und Wälder, konnte man an einem schönen Abend im Mai Wort und Ton Avantgardisten, Experimentalisten und Lebenskünstlern begegnen.

Wladimir Kaminer laß Kurzgeschichten von Künstlerpech und Lebenskünstlern und erzählte, was passiert, wenn deren unterschiedliche Weltanschauungen mit der Realität zusammenprallen.

Felix von Manteuffel verschaffte dem russischen Formalisten Viktor Šklovskij Gehör, der als Zeitgenosse der Bauhäusler nach Narrenfreiheit suchte in einer Gesellschaft, die dem Experiment in der Kunst den Spielraum nahm.

Pianist Hauschka verlieh mit seinem »Palace in the sky« der gleichsam schwerelosen Architektur der Museumshallen neuen Auftrieb. Wie es klingt, wenn Alltagsgegenstände, wie Radiergummi oder

Butterbrotpapier auf ein Klavier treffen, war im Spiel von Hauschka zu erleben, der ein Popstar, ein ›Stimmungsmaschinist‹ des präparierten Pianos ist.

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Wladimir Kaminer

Der Schriftsteller Wladimir Kaminer, 1967 in Moskau geboren, absolvierte eine Ausbildung zum Toningenieur für Theater und Rundfunk und studierte anschließend Dramaturgie am Moskauer Theaterinstitut. Seit 1990 lebt er mit seiner Familie in Berlin. Regelmäßig veröffentlicht er Texte in deutschen Zeitschriften und Zeitungen, darunter seit 2014 die Kolumne ›Kaminers Kino‹ für die Kinozeitschrift ›epd Film‹. Mit der Erzählsammlung ‹Russendisko› sowie zahlreichen weiteren Werken avancierte er zu einem der beliebtesten und gefragtesten Autoren Deutschlands. Zu seinen letzten Publikationen gehören ›Coole Eltern leben länger‹ (2014) und ›Das Leben ist keine Kunst‹ (2015), ›Bücher, die immer intelligent und



etwas anders sind‹ urteilt Die Welt. Wladimir Kaminer hat alle seine Bücher auch als Hörbuch eingelesen.

Felix von Manteuffel

Von 1967 bis 1970 besuchte der Schauspieler Felix von Manteuffel die Otto-Falckenberg-Schule in München. Noch während seiner Ausbildung gab er 1969 an den Münchner Kammerspielen sein Debüt in Bertholt Brechts Die ›Ausnahme und die Regel‹. Von 1970 bis 1972 folgte ein Engagement am Theater Ulm. Dort war er in ›Kabale und Liebe‹ zu sehen und spielte die Titelfigur in ›Dantes Tod‹. Sein nächstes Engagement führte ihn bis 1984 zu den Münchner Kammerspielen, wo er zahlreiche Rollen verkörperte. In den Jahren 1984 bis 2004 arbeitete Felix von Manteuffel freischaffend. In dieser Zeit war er u. a. am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, am Bayerischen Staatsschauspiel, am Burgtheater Wien, Schauspielhaus



Zürich, Residenztheater München und am Schauspiel Frankfurt zu erleben. Am Schauspiel Frankfurt war er anschließend bis 2013 festes Ensemblemitglied. Er arbeitete mit namhaften Regisseuren zusammen, darunter George Tabori, Peter Palitzsch, Jürgen Flimm, Ernst Wendt und Dieter Dorn. Neben seinen Rollen im Theater ist er auch immer wieder in Film und Fernsehen zu erleben. So u. a. in mehreren Folgen des ›Tatort‹ oder zuletzt in diesem Jahr in ›Wünsche werden wahr‹. Im Kino konnte man ihn zuletzt 2012 in ›Da geht noch was!‹ sehen. Außerdem wirkte er in mehreren Hörspielen mit, u. a. in der deutschen Fassung von ›Per Anhalter durch die Galaxis‹. Für seine schauspielerische Leistung wurde er u. a. mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet.

Hauschka

Hauschka (Volker Bertelmann) ist einer der bedeutendsten Pianisten des 21. Jahrhunderts am präparierten Klavier. Mit seiner Musik ist er in den verschiedensten Genres zuhause. Als Komponist hat er in den letzten Jahren viele Projekte im Bereich Film, Theater, Tanz und Kunst realisiert. Darüber hinaus komponierte er die Soundtracks zu zahlreichen Kurzfilmen – u. a. ›Blotsky‹, der 2007 den Akira Kurosawa Short Film Award gewann – und Spielfilmen, darunter Doris Dörries ›Glück‹. Neben seiner filmischen Arbeit komponiert er für die Bühne, so 2006 einen Remix von Wagners Parsifal in Zusammenarbeit mit Stefan Schneider und 2011 komponierte er eine 18-minütige Ouvertüre zu Kevin Rittbergers ›Puppen‹ für das



Düsseldorfer Schauspielhaus. Hauschka gründete das jährlich in Düsseldorf stattfindende Piano Approximation Festival, bei dem stets international renommierte experimentelle Künstler zu Gast sind. Er ist der ›Popstar des präparierten Klaviers‹, schreibt Die Zeit, seine atmosphärischen dichten, rhythmusbasierten Kompositionen besitzen eine besondere lyrische Qualität. Im Frühling dieses Jahres feierte eine Zusammenarbeit zwischen Hauschka und dem Alma Quartet Premiere, im Herbst wird er mit einer neuen Komposition gemeinsam mit Nicolas Altstaedt zu hören sein.